Sprach- oder Kulturbarriere

Sprach- oder Kulturbarriere

 

Jeder kennt Produktinformationen oder die kleinen nett zusammengefalteten Bedienungsanleitungen. Das die seit geraumer Zeit in allen erdenklichen Sprachen beim Kauf von Produkten mitgeliefert werden, überrascht heutzutage wirklich niemanden mehr, oder? Es ist ein Indiz für das Zusammenwachsen der Märkte. Was vor über hundert Jahren das Zusammenwachsen innerhalb der heutigen Länder war, denn Länderverbunde wie wir sie heute als Staaten kennen sind gar nicht so alt, ist heute das Zusammenwachsen von Kulturregionen und Kontinenten in der Welt mit rasender Geschwindigkeit.
Das ist gut so und auch erforderlich, damit wir alle auf diesem Niveau leben/ überleben können.
Im Kontext dessen steht aber auch, und das wird oft vergessen, der dringende Bedarf sich mit anderen Kulturen und Sprachen auseinandersetzen. Klingt da nicht noch der alter Spruch „mir könnet alles außer hochdeutsch“ in den Ohren? Das war amüsant und alle haben darüber geschmunzelt.

Wie stellt sich die Situation heute dar, was ist mittlerweile geschehen:
Die Deutschen sprechen überwiegend hochdeutsch, international wird zumeist englisch gesprochen und eine andere Weltsprache hält Einzug: chinesisch.

In gewisser Weise stehen wir alle, die am Weltmarkt aktiv sind, heute wieder vor gleichen Problemen wie auch in der Vergangenheit. Doch unsere Mittel und Werkzeuge sind besser geworden, wir kommunizieren schneller und haben neue Tools.
Betrachtet man nun die aktuellen Veränderungen, dann erkennt man schnell, wie sehr sich speziell kleine und mittlere Unternehmen lieber auf die Tools verlassen, anstatt sich mit der neuen Situation auseinanderzusetzen.

Was läuft daran nicht rund, fragen Sie sich jetzt vielleicht:
Ganz einfach, jeder spricht über einen anonymen Nachbarn, den er nicht kennt oder kennen will, aber die Geschäfte sollen ganz von alleine erfolgreich werden, sein oder bleiben.

Stellt sich die Wirklichkeit nicht ein wenig anders dar:

  • Ohne den kulturellen Hintergrund des Anderen zu kennen, fehlen Details zur Einschätzung des Potenzials.
  • Mangelnde Einschätzung führt zu Fehlentscheidungen.

Wie steht es um die Sprachen:

  • Fehlende Sprachkenntnisse bedeuten auch fehlende Rückkopplung auf das Verhalten, was Käufer und Verkäufer gleichermaßen betrifft.
  • Eine fehlende Rückkopplung kann auch ein digitaler Übersetzer nicht wiedergeben, ganz gleich von welchem Tool man überzeugt ist.

Eingangs wurde bereits die Bedienungsanleitung als Beispiel zitiert.
Braucht man einen Beleg für die Fehlentwicklung dank Technikgläubigkeit, dann sind genau die Bedienungsanleitungen oder auch Datenblätter, Produktinformationen usw. (hier kann man sicher noch so einiges aufzählen) Beweis genug, oder?
Bisweilen mag das Lesen solcher Dokumente belustigend wirken, aber zielführend ist es ganz sicher nicht, für keine der betreffende Parteien.

Falls sich noch die Frage stellt, wo speziell die interkulturelle Zusammenarbeit im Tagesgeschäft von KMU‘s Auswirkung hat, hier als Denkanstoß eine kurze Aufzählung, die jeder für sich gedanklich erweitern kann:

  • Suchen und Finden von Kunden, Lieferanten, Herstellern
  • Kontaktaufbau und Kontaktpflege mit Geschäftspartnern
  • Kennenlernen von Zielgruppen
  • Aufbau von Vertrauen zu Zielgruppen
  • Presales, Aftersales
  • Vertragswesen
  • Alltagskommunikation
  • Social Media
  • usw.

Schafft man hierzu entsprechende Kategorien, so ließe sich der Bedarf an interkulturellem Wissen deutlich diversifizieren.

Auf den Punkt gebracht geht es um Sensibilisierung: Sprach- oder Kulturbarrieren können nur durch Menschen abgebaut werden, darin sollten wir alle mehr investieren. Das schafft Vertrauen, verbindet Vertraute miteinander und sorgt für Sicherheit und Stabilität, so wie wir alle es uns wünschen. Und – nein, wir müssen jetzt nicht alle gleich chinesisch lernen.